BMs Reisetipps, Teil 3/4 „Im Krieg und in der Liebe…“

Gangway

BMs Reisetipps, Teil 3 „Im Krieg und in der Liebe ist jedes Mittel erlaubt“

Letztes Mal ging es um Insidertipps, jetzt sind die echten Notfall-Tricks dran:
Hier liegt ein großes Gewicht auf dem Phänomen des VORDRÄNGELNS. Insbesondere Ryanair-Flieger möchte ich an dieser Stelle vor dem Weiterlesen warnen: Sobald man anfängt die nachfolgenden Drängel-Techniken anzuwenden, wird man sehr schnell bemerken, dass man da bei Weitem nicht der Einzige ist – die Drängler erkennen sich gegenseitig… das mag vllt das Menschenbild des ein oder anderen verändern.

…und vorab vllt auch noch ein paar Worte der Weisheit von Bonusmile: Immer vorher überlegen, ob das was zu erreichen man sich vordrängelt, wirklich das Drängeln wert ist. (man kann sich z.B. bei Ryan so weit vordrängeln, wie man will – die Plätze im Flugzeug sind alle gleich beschi**en).

  1. Endlos lange Schlange an der Schleuse oder am Schalter weil die Checkin-Automaten ausgefallen sind und das Boarding hat schon begonnen? OK – ist mir auch schon passiert. Wenn einem der Ordner/Stewardessen die Situation erklärt, bekommt man ein mitfühlendes “Sie können die Leute vor Ihnen fragen, ob man Sie vorlässt!” Na vielen Dank in den Schrank! Aber – ganz ehrlich: Lufti hat ja Recht! Wieso soll man diejenigen, die zu doof sind, ihre Zeit richtig zu planen, auch noch belohnen, indem man sie dann am Schalter oder an der Schleuse vorlässt?! Ist unpädagogisch – so lernen die es ja nie, ne?!
    ABER wenn’s um einen selber geht, ist das natürlich was anderes – ich konnte schließlich nichts dafür. Ich konnte das Meeting einfach nicht früher verlassen / der Taxifahrer hat sich so dumm mit der Kreditkarte angestellt / der Pass war plötzlich weg – und gestern war er doch noch auf dem Nachttisch etc. etc.
    Okidokey – das lasse ich gelten. Also dann mein junger Padawan: Schau Dir die Schlange vor Dir an – ist da eine Gruppe Personen, die ungefähr Deinem Dresscode entsprechen? Sehr gut. Gehe an der Schlange vorbei zu dieser Gruppe (wenn jemand dumme Bemerkungen macht – “Entschuldigung, ich muss zu meiner Gruppe da vorne”), dann klopfe dem hintersten von “Deiner Gruppe” auf die Schulter, wünsche einen fröhlichen guten Tag und frage (mit leicht reduzierter Lautstärke), ob ihm ggf. das Buch (dass Du schon den ganzen Tag in der Aussentasche deiner Jacke hattest) aus der Tasche gefallen ist. Nein? Oooo – na gut. Stehen bleiben. Für die, die hinter Dir stehen, gehörst Du jetzt zur Gruppe. Gut gedrängelt – Glückwunsch.
    Wieso hat das jetzt so einfach funktioniert? Weil Gruppen nicht darauf achten, wer hinter ihnen in der Schlange steht (kann der Gruppe ja auch egal sein). Und die, vor denen Du jetzt in der Schlange stehst, haben nur gesehen, dass Du höflich  bist, zur Gruppe aufgeschlossen hast, sie Dich freundlich begrüßt haben, Du ein kurzes Gespräch mit „Deiner“ Gruppe geführt hast, d.h. Du gehörst eben dazu. Übrigens funktioniert dieser Trick bei absolut jeder Schlange.
    Übrigens geht`s auch ohne Buch: Fröhliche Begrüßung und etwas leiser „Na sowas – wissen Sie, Sie sehen einem Bekannten von mir unheimlich ähnlich“. Fertig.
    Die absolute Oberliga ist natürlich, wenn es einem gelingt eine echte Unterhaltung zu starten, sich also wirklich in die Gruppe zu integrieren.
    ACHTUNG: Es ist beim Drängeln wichtig, dass die Leute mit denen man interagiert, von Deinem Vordrängel-Manöver keinen Nachteil haben! D.h. immer HINTER jemandem reindrängeln!
  2. Eine kleine Variante des „Vordrängel-Spiels“ ist das ‚Teamplay‘. Ganz ehrlich – das habe ich selber noch nie ausprobiert, aber schon öfter beobachtet: Vor dir erstreckt sich eine etwas verknäulte Schlange, die sich noch nicht in Bewegung gesetzt hat (Gate ist noch zu, Shuttlebus hat die Tür noch nicht geöffnet, Schalter ist noch zu, etc.). Wenn man sich einfach daneben stellt, hat man ein Legitimationsproblem: Man gehört nicht zur Schlange. Es geht jetzt darum die Hemmschwelle der Mitwartenden zu erhöhen, sich über deine Drängelei zu beschweren. Wie beweist du also, dass du zur Schlange dazugehörst? Ganz einfach – indem du jemanden vorlässt, der es nötiger hat, als du selbst. Das sollte dann dein Mitreisender/Kumpel sein, der einige Minuten später dazu kommt (dass ihr euch kennt, solltet ihr natürlich nicht an die große Glocke hängen). Also lass deinen Kumpel vor („ja, dass Sie mit den Rückenschmerzen nicht lange stehen können verstehe ich – ich hatte letztes Jahr auch einen Hexenschuss“). Und danach im Gespräch bleiben, damit sich niemand dazuwischendrängelt –> divide et impera…
  3. Die Brechstange (funktioniert allerdings nicht mehr in FRA (automatische Schranken, die sich erst öffnen, wenn man sein Ticket auflegt) – aber früher in Heathrow ging das immer super): Einfach mit roten Bäckchen an dem Ordner/Steward(ess) an der Business-Sicherheitsschleuse vorbeihetzen, bevor er Dein Ticket checken kann (das natürlich nicht business ist). Danach interessiert‘s niemand mehr. Denn die Security-Leute interessiert nur Security.
    Alternativ verweise ich auf Teil 2 (die “geheime” Sicherheitsschleuse im T1 in FRA und in BCN die “Familien-Schleuse”).
  4. Im Flugzeug: Vor einem sitzt der einzige Idiot im ganzen Flugzeug der denkt, er müsste auf dem 45-Min-Flug von FRA nach ZRH den Sitz umklappen und sich nochmal so richtig ausschlafen? Na gut. Richtig wäre hier, den Vorsitzer freundlich darauf aufmerksam zu machen, dass Du lange Beine hast und es für Dich sehr unbequem ist, wenn er die Lehne kippt. Hab ich schon ein paarmal gemacht und hat immer funktioniert. ABER hier geht’s ja um die dunkle Seite der Macht, also diskutieren wir nicht, sondern öffnen die Düse der Klimaanlage und richten sie auf unsere Knie (und den Kopf des Vorsitzers). Das ist scheiss-unangenehm und die meisten weichen dem “Kältestrahl” (man sollte es nicht so offensichtlich machen, dass der Vorsitzer merkt, dass der Strahl im Grunde nur für ihn/sie gedacht ist).
  5. Übrigens noch ein genereller “schmutziger “ Trick (der eigentlich überhaupt keiner ist): Wenn z.B. kein Platz für das Handgepäck mehr im oberen Spind ist und die Stewardess Dir sagt, Du sollst es einfach unter den Sitz vor Dir schieben (und den ganzen Flug über wie ein Spargel im Glas sitzen) – freundlich feststellen, dass Du lange Beine hast (oder einen Hexenschuss, einen verstauchten Zeh etc.) und dass das leider nicht geht UND DABEI IM WEG STEHEN BLEIBEN. Schon ist es nicht mehr Dein Problem, sondern das der Stewardess (Ausnahme: Ryan – da ist immer alles das Problem des Passagiers).
    Und am Besten keine Leck-mich-Attitüde an den Tag legen (das kommt überhaupt NIE gut!), sondern besser etwas hilflos und immer freundlich. Ganz am Rande: Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass man Leute für sich einnimmt, indem man ihnen Gefallen erweist – vielmehr ist es genau umgekehrt: Man gewinnt Sympathien, indem man Leuten die Gelegenheit gibt DIR Gefallen zu erweisen. Sie fühlen sich dann besser – anstatt verpflichtet. Indem wir also hilflos sind, kann uns die Stewardess einen Gefallen erweisen – das spielt uns dabei dann noch zusätzlich in die Hände.
  6. Zu Ryan habe ich mich bisher ja nur sehr sparsam geäußert, aber hier im “Dirty”-Kapitel komme ich um Ryan einfach nicht herum, denn drängeln ist hier “Teil des Spiels”. Kommt wohl daher, dass man bei Ryan für absolut alles Schlangestehen muss: Am Shuttlebus, an der Sicherheitsschleuse, vor dem Gate und dann nochmal direkt am Gate. Drängeln geht hier besonders gut am Gate – und zwar sowohl am Flugplatz (Flughafen scheint mir hier übertrieben) “Frankfurt”-Hahn als auch in Girona (“bei Barcelona” – naja).
    HHN: Einfach einen Sitzplatz direkt am Gate-Einlass suchen. Es bildet sich schon laaang bevor das Gate öffnet eine lange Schlange genervter Reisender. Wir sitzen direkt neben der Schlange. Das Gate öffnet. Wir stehen auf – und bleiben einfach stehen und bewegen uns mit der Schlange zum Gate. So einfach. Wer dabei ein schlechtes Gefühl hat, der sollte dennoch nicht den Fehler machen das ältere Ehepaar hinter einem höflich vorzulassen, denn jemanden vorzulassen ist ein Zeichen von schlechtem Gewissen und das macht „die Schlange“ misstrauisch.
    Trick Funktioniert immer – man darf nur kein schlechtes Gewissen “ausstrahlen” – die anderen riechen sowas. 😉
    Oh – und was, wenn direkt am Gate kein Wartesitz frei ist? Haha – ganz einfach: Warten bis jemand aufsteht um sich in die Schlange zu stellen und sich dann setzen. Rest s.o.
    GRO: Tja – auch hier bilden sich immer schon lang vor Öffnung des Gates lange Schlangen – allerdings sind die Sitze nicht so nah am Gate. Also sich am Besten nach Öffnen des Gates einer in der Schlange stehenden Gruppe “anschließen” (sind immer größere Gruppe dabei).
    ACHTUNG: Präzises Timing ist wichtig! Beim Queue-Jumping bei Ryan muss man in (oder bei) der Schlange stehen BEVOR sie sich in Bewegung setzt! Danach wird’s etwas schwieriger, denn das sieht dann so aus, als ob man drängeln würde (OMG!!)…Aber mal ganz ehrlich: Ich habe das in verschiedenen Versionen bei Ryan durchprobiert, aber das eigentlich nur aus sportlichem Ehrgeiz, denn Ryan macht das Flugzeug immer voll. Es gibt also keine guten oder schlechten Plätze. Letztendlich hab ich zum Schluss immer gewartet, bis die Schlange durch war und bin dann ganz gemütlich als letzter eingestiegen. WTF!
  7. Bei Ryan Gepäck aufzugeben ist kostenpflichtig – nur das Handgepäck ist gratis. Trotzdem rate ich davon ab, den Handgepäck-Joker ganz auszureizen, denn Ryan ist nicht kulant – garnicht. Und wenn es zu groß oder zu schwer ist – das kostet RICHTIG Geld! Und wo bleibt jetzt der Tipp??? Ah. Ok – es ist zwar nur EIN Handgepäckstück erlaubt (und zwar eins mit Nicht-Standard-Maßen!). Aber niemand hat was gesagt über Jacken- und Hosentaschen. BW-Hosen z.B. haben echt tolle, große Hosentaschen… ne?!
    Und niemand kann Dir vorschreiben, wie dick Du Dich anziehst – zwei Hosen, vier Ts und zwei Pullis übereinander? Naja – Du frierst halt schnell.
    Wie? Das sieht doof aus und ist total peinlich? Du fliegst Ryan und hast Angst, dass du dich zum Horst machst? Ich kann’s nicht deutlicher sagen – aber das ist schon ein Widerspruch in sich. Entweder – oder.
  8. Und jetzt BMs ultimater Ryan-Tipp: Bucht einfach woanders – ehrlich. Bedenkt man die Kosten für Shuttle-Services und die ganze Zeit, die man durch die Transfers verliert, weil Ryan nicht FRA-BCN sondern HHN-GRO fliegt (oder noch schlimmer: HHN-REU). Für eine Reise FRA-BCN-FRA benötigt man mit Ryan 2×2 Stunden (FRA-HHN-Transfer), 2×2 Stunden (Flug HHN-GRO) und 2×1,5 Stunden (Transfer GRO-BCN) – das sind 11 Stunden plus der Wartezeiten(!!) dazwischen – und das ist nicht von Tür zu Tür, sondern von FRA-Hbf nach BCN-Gummi-Bhf. Irre – ein voller Tag verloren! Mit Lufti z.B. kommt man schon für 99 EUR hin und zurück – bei Ryan zahlt man allein für das “Herum-Shuttlen” schon so ca. 50 EUR (dazu kommt dann noch der Flug und der Transport von und zur Shuttlebus-Haltestelle).
    Nicht zu vergessen: Der Nerv-Faktor – das Schlangestehen, die ganzen Drängler(!), der „Große Run“ zum Flugzeug, die dauernde Werbebeschallung (Telefonkarten, Rubbellose, Fusel im Vorteils-Familien-Pack etc.etc.).
  9. Ach – und eins vielleicht noch (eine Art Anti-Tipp): Wir sitzen wieder im Flieger von FRA nach ZRH, 40 Minuten Flug und vor Dir sitzt wieder der einzige Idiot im ganzen Flugzeug, der seinen Sitz runterklappt um sich 24 Minuten lang (für Start und Landung muss die Lehne ja aufrecht bleiben) richtig auszuschlafen. NICHT an seiner/ihrer Lehne rumwackeln oder die ganze Zeit die Knie in seinen/ihren Rücken rammen. Das ist für dich noch viel unbequemer als für ihn und provoziert ausserdem seinen Widerstand. Wenn man ihn partout „strafen“ will (kindisch – das mache nicht einmal ich!), dann macht es folgendermaßen: Kennst du den Trick, dass man einem Kind eine kalte Münze vorsichtig auf die Stirn legt und sie sofort vorsichtig wieder wegnimmt? Das Kind glaubt dann immernoch die Münze zu spüren und balanciert weiterhin die imaginäre Münze. Das funktioniert auch hier: Drücke gleich zu Anfang deine Knie fest in den Rücken des Vorsitzers, so dass er/sie es auch wirklich merkt und dann ziehe sie ganz langsam und vorsichtig wieder zurück. Die Person wird danach für den Rest des Fluges glauben, deine Knie im Rücken zu spüren – und wird dich dafür hassen.
    Aber wie gesagt: Dieser „Tipp“ bringt dir nichts (ausser vllt Genugtuung). Im Zweifel ist der „Kältestrahl“ (siehe 4.) die bessere Wahl.

Ich muss sagen, es ist schon etwas beunruhigend, dass dieses Kapitel das mit Abstand längste geworden ist. Naja – WTF! Und für diejenigen, die sich nach der Lektüre dieses Kapitels irgendwie schmutzig fühlen: Willkommen in der richtigen Welt, ihr Pussies!

„Zorn. Furcht. Aggressivität. Die Dunklen Seiten der Macht sind sie. Besitz ergreifen sie leicht von dir.“ Joda 😉

Für das nächste und letzte Kapitel meiner Reisetipps-Serie werde ich mich vom Lufthansa-Magazin inspirieren lassen: Dort öffnet jeden Monat (?) ein Promi sein Handgepäck. Das finde ich eine super Idee. Deswegen wird – als Finale – im nächsten Kapitel Bonusmile selber mal sein Köfferchen öffnen!

Teil 1: Basics
Teil 2: Insider-Tipps
Teil 3: Schmutzige Tricks
Teil 4: BMs Handgepäck
Teil 5: Über das Kofferpacken

3 Gedanken zu “BMs Reisetipps, Teil 3/4 „Im Krieg und in der Liebe…“

  1. Zum Thema Sicherheit in FRA die Buch-Empfehlung:
    Achim Lucchesi, „Die Bombe ist eh‘ im Koffer. – Geschichten aus dem Handgepäck“, Heyne-Verlag München, 2011, Paperback, 316 Seiten, 8,99 €.
    Ich hab’s durch und verleihe es auch gerne.

  2. Pingback: BMs Reisetipps, Teil 2/4 “Aus dem Nähkästchen geplaudert” | Bonusmile: Frankfurt - Barcelona etc.

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