Kehraus in der Kaiserpassage – ein kleiner Nachruf

kaiserpassage2.jpgDie Kaiserpassage wird renoviert – und damit wird auch eines der kleinen „Bahnhofsviertel-Biotope“ trockengelegt: Nach der Renovierung ziehen ein unaufregender Tegut-Laden und ein Hotel ein. Ich find’s ja gut, dass das Bhfvrtl sich neu erfindet, aber es verliert dadurch halt auch seinen Charakter. Wie? Ist nicht schade drum? Das sehe ich anders.

Die Kaiserpassage ist ein großer Name für den schmierigen, runtergekommenen Durchgang der auf Höhe Mosel- und Elbestr., die Taunus- mit der Kaiserstr. verbindet. Und ich denke das ist auch so ziemlich alles, was die meisten Frankfurter mit der Kaiserpassage verbinden: Runtergekommen und schmierig – wenn sie sie überhaupt bemerkt haben.
Ich allerdings habe sie nicht nur bemerkt, sondern fand dieses kleine orientalische Biotop eigentlich immer ganz interessant – nicht nur wegen der pakistanischen und indischen Gewürz- und Einfach-Alles-Läden (in einem hatte ich mal vor Jahren meinem Schwesterchen ein verdammt großes – und in der U-Bahn echt besch****en zu transportierendes – Carrom-Brett als WH-Geschenk gekauft). Da gab’s auch einige kleine Schneider-Geschäfte, von denen eins z.B. für einen 10er das Loch in meinem Trench, das ich mir durch eigene Blödheit reingerissen hatte, sehr unauffällig wieder gestopft hat, ein Foto-Atelier, ein Touri-Ramschladen, ein Geschäft für Extensions und Nutten-Schlappen (25cm High-Heels – wg. Nähe Taunusstr. macht das ja Sinn, denn sowas kriegt man halt nicht bei Deichmann) und komische, exotische Reisebüros und Telefon-Shops – und seit Neuestem auch eine Foto-Ausstellung mit kaiserpassage3.jpgKiez-Charakteren: Porno-Sternchen, Penner, Puff-Daddys, Barkeeper und ein paar Hells-Angel-Typen. Was letztere angeht (H. A.‘s) – ich vermute da gibt’s einige Überschneidungen mit den vorgenannten Kategorien – das ist zumindest die einzige Entschuldigung, die ich gelten lasse (dachte diese Drecksäcke wäre in FFM verboten?!?). Naja – Schnee von gestern.
Letzte Woche war ich mal wieder da und was mir die letzten Monate schon auffiel – vereinzelte geschlossene Geschäfte – war jetzt nicht mehr zu übersehen: Gähnender Leerstand. Nur mein „Carrom-Paki“ ist noch da. Ich hatte ihn mal gefragt, was das hier soll?! Tja – er zieht auch in einer Woche aus – also wohl zum 01. Oktober 2016. Dann wird die KP neu renoviert und im Untergeschoss wird ein Tegut-Laden einziehen und in den oberen Etagen ein Hotel. Juhu. Nein, im Ernst – WTF?!? Ist das Bahnhofsviertel echt so brav geworden, dass hier ein Tegut überleben kann? Bio-Lebensmittel für weichgespülte Fließband-Hipster mit schön gestutzten Rübezal-Vollbärten? *stöhn* Naja – und das Hotel wird wohl seine Kundschaft finden. Aber mir tut’s Leid um den „Kaiser-Basar“. Hotels und Teguts gibt’s weiss Gott schon genug.
Mein „Carrom-Paki“ jedenfalls zieht um nach Maintal (da könnte er genauso gut zurück nach Pakistan ziehen – da komme ich genauso oft hin). Schade.

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