Hola Katalanische Republik – Demo auf dem Frankfurter Paulsplatz

Die Katalanische Republik hat sich den Frankfurtern am vergangenen Samstag auf dem Paulsplatz vorgestellt. Die Reaktionen der Passanten haben ein interessantes Schlaglicht auf die Stimmungslage einer meiner beiden Städte geworfen…

Els defensors de la terra 🙂

Ob man die katalanische Unabhängigkeit jetzt gut findet oder nicht, das ist natürlich jedem selbst überlassen. Aber immerhin machen sich nun auch mal einige Frankfurter die Mühe darüber nachzudenken! Denn am Samstag hat sich die Katalanische Republik auch in Frankfurt in einer angemeldeten Mini-Demo auf dem Paulsplatz den Frankfurter Bürgern vorgestellt UND Bonusmile -ich- war da! Das war nicht nur saukalt, sondern auch aufschlussreich.

Que tremoli l’enemic… und alle anderen auch – war nämlich saukalt

Einige ältere deutsche Passanten versuchten die Katalanen zu überzeugen, mit „Machen Sie das nicht! Das ist doch ein Wahnsinn! Das können Sie Europa nicht antun!“ Ok – das offenbart vor Allem ein großes Unwissen über die Situation in Katalonien und Spanien. Die Katalanen haben schließlich nichts gegen die EU – würden sogar gern dabei sein, aber Spanien benutzt die EU-Mitgliedschaft als Druckmittel gegen die Katalanen, d.h. nicht Katalonien tut der EU das an, sondern Spanien. Was den Wahnsinn angeht – ein Wagnis ist das Unternehmen der Katalanen natürlich schon, aber dass Sie es trotzdem wagen, verdient meinen Respekt. Aber hauptsächlich ist dieser Ausspruch wohl Ausdruck von Egoismus – wir Deutsche mögen es halt ordentlich – alles an seinem Platz. Und Katalonien bei Spanien – war ja schon immer so. Kein Stress bitte in unserem Urlaubsland, ne.

Gab natürlich auch positive Stimmen: „Jawoll! Barcelona!!“ Das war nett! Wussten wohl nicht ganz genau worum es eigentlich geht, aber waren immerhin begeisterungsfähig.

Eine Gruppe spanischer Passanten rief den Katalanen eine freundliches „!Viva el Generalissimo!“ zu… gemeint war Franco… ok – sie meinten das nicht wirklich nett (genau genommen überhaupt nicht). Aber dennoch waren diese Leute jetzt auch keine faschistischen Agitatoren, die extra wegen der Demo vorbeigekommen sind. Nur ganz normale ältere spanische Faschisten -äh- Touristen, die hier spazieren gingen. In Momenten wie diesen blitzt allerdings auch die spanische politische Großwetterlage durch – denn Franco und die Faschisten wurden in Spanien niemals verurteilt oder auch nur als inakzeptable politische Sichtweise gebrandmarkt. Im Gegenteil – so gibt es in Spanien beispielsweise allen Ernstes eine Stiftung, die das Andenken Francos pflegen und bewahren soll (man stelle sich mal eine Adolf-Hitler-Gedenk-Stiftung vor!).  In Katalonien sieht es da schon ganz anders aus – Katalonien war im Bürgerkrieg das Zentrum der republikanischen Kräfte. Zumindest so lange bis Francos Faschisten Katalonien eroberten – und das ist noch nicht so lange her. Franco hat erst 1975 ins Gras gebissen.

Ist jetzt vllt etwas gemein hier eine der Ursachen für das eigenwillige Demokratieverständnis der spanischen Zentralregierung zu suchen. Oder? Die andere Ursache – klar – liegt wohl darin, dass die durch und durch korrupte PP (Regierungspartei in Madrid) es einfach nicht anders gewohnt ist: man kann ja sonst auch immer alles „unter Freunden“ regeln – im Hinterzimmer (se sienta a la mesa und so).

Nein, nicht zur Bekämpfung der Gelbsucht, sondern für die Freisetzung der beiden verhafteten katalanischen Aktivisten

Wie bitte? Was stimmt mit dem Demokratieverständnis der Madrider Regierung nicht? Uff… wie wär’s denn z.B. mit der Absetzung der zwar demokratisch legitimierten, aber unbequemen Regionalregierung und dem Ansetzen von Neuwahlen. Eine Veränderung der politischen Situation kann das ja eigentlich nicht bringen?! Außer – ja, außer man verbietet die independistischen Parteien oder man plant die Wahl zu manipulieren (aber sowas machen wir in der EU ja nicht – und ich will’s mir auch nicht vorstellen, denn DAS wäre echt dritte Welt!) oder man hofft, dass die bockigen Wähler endlich klein beigeben. Führende PP-Politiker haben jedenfalls schon vorab angekündigt, dass man, sollten die Independisten schon wieder gewinnen, man wiederum den §155 der spanischen Verfassung aktivieren wird um nochmal die Regionalregierung abzusetzen. Demokratie ist also schon ok – aber bitte nicht ergebnisoffen – die eigene Meinung sollte gewinnt – oder anders gesagt: Man lässt einfach so oft wählen, bis der kleine Wähler endlich einsieht, dass Madrid Recht hat.

Nun ja – ich wünsche den Katalanen jedenfalls, dass ihr Regierungschef nicht kneift, sondern sich Madrid entgegenstellt – so wie er es von der Zivilbevölkerung ja auch gefordert hat. Denn die Katalanische Republik ist nach wie vor der Wunsch der großen Mehrheit in der Katalanen – was man schon daran sehen kann, dass die selbsternannte „Schweigende Mehrheit“ bei den Pro-Spanien-Demos gerade mal 350.000 Teilnehmer auf die Waage bringt, während die Independisten regelmäßig mühelos die Millionengrenze knacken (und PP karrt zu den Pro-Spanien-Demos aus allen Nachbarregionen Unterstützer an – und trotzdem reicht’s nicht).

Was mich wieder zu den deutschen Passanten vom Anfang zurück bringt von wegen „Das können Sie Europa nicht antun!“: Da kann ich nur sagen: Vorsicht mit wem man sich da ins Bett legt! Die Separatisten haben bislang immernoch die demokratischen Spielregeln eingehalten (schlimm genug, dass das nicht das Gleiche ist, wie das Gesetz…).

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